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Kunst in der Albert-Schweitzer-Kirche heute

Peter-Joachim Enzmann

Aquarell "Streuobstwiese Ursrainer Egert" und Hauptfenster Kirchraum von Karin Auberlen (1986)

Das Aquarell-Bild zeigt einen Blick auf die Streuobstwiese, die dort begann, wo heute unsere Kirche steht. Dieser von Spaziergängern und Familien beliebte Ruheraum zog sich bis zum Wald hin. Die Streuobstwiese musste der Siedlung am Ursrainer Egert weichen.
Obwohl die Ethik-Richtlinie von Albert Schweitzer "Ehrfurcht vor dem Leben" kompromisslos gilt, müssen wir dagegen verstoßen: Die Menschen brauchen Raum zum Leben und Wohnen. Für Schweitzer sind Tiere und Pflanzen gleichwertiges Leben, wir müssen für beide die Umwelt erhalten. Das Bild von der Streuobstwiese soll uns daran erinnern, auch wenn wir Raum zum Leben brauchen und dazu immer wieder Umwelt zerstören müssen.

Aus diesem Grund ist das Aquarell auch Ausgangsmotiv zum großen Fensterbild im Kirchraum. Die Verwandtschaft beider Kunstwerke ist deutlich zu erkennen. Albert Schweitzers Ziel ist eine Ethik, die nicht suggeriert, dass sich alle Konflikte rational und eindeutig lösen lassen, die aber entschieden fordert, dass die Entscheidung, wie auch immer sie ausfällt, im vollen Bewusstsein des Konflikts getroffen wird. Wir haben eine neue Siedlung für die Menschen gebraucht und unsere Kirche an den Rand dieser Siedlung gebaut. Wir sind uns bewusst, hier ein wunderbares Stück Natur verbraucht zu haben. Im Einverständnis mit Schweitzers Ethik steht aber die segnende Hand Gottes über der vom Menschen hingehaltenen empfangenden Hand. Das Glasbild soll uns immer daran erinnern, dass wir mit der empfangenen Gabe sorgfältig umgehen müssen.

 

 

Glasbilder Noah-Reihe von Karin Auberlen (1993)

Die Bilderserie an der Nordwand weist uns auf die Zusage Gottes hin, die er den Menschen nach der Sintflut gegeben hat. Überspannt vom Regenbogen, der über der Familie Noahs und den Tieren mit den hellen gelben Tönen, gleichsam das Licht als Gottessymbol, beginnt, wird das Versprechen durch Jesus, den guten Hirten, bekräftigt. Dort wo der Regenbogen, nun mit den warmen roten Tönen, die Erde berührt, ist als Verbindungsglied zwischen Gott und den Menschen die Taube, Symbol des Heiligen Geistes, dargestellt. Die kleinen Bilder darüber zeigen, was in Genesis 8, 22, den Menschen versprochen wurde: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht".

 

 

Pelikanfenster im Clubraum von Karin Auberlen (1988)

In der altchristlichen Kunst hat der Pelikan eine eigene Symbolkraft, er steht für die Liebe Gottes zu den Menschen und der Erlösung durch den Opfertod Christi. Für Albert Schweitzer hatte der Pelikan eine zusätzliche Bedeutung. Das innige Verhältnis das er zu Tieren hatte zeigt sich in besonderer Weise an einem langjährigen Begleiter, dem berühmten Pelikan, den er als kleines, noch zum Jagen unfähiges Tier erhalten und groß gezogen hatte. Der Pelikan verkörpert hier die Gegensätzlichkeit von Leben achten und Leben opfern für anderes Leben, denn der kleine Pelikan musste mit lebenden Fischen gefüttert werden, um zu überleben.

 

 

 

 

Albert-Schweitzer-Wand von Karl-Heinz Angst und Uli Gleis (1986)

Architektonisch ist die Ostwand konkav gewölbt und stellt sich damit bewusst dem Betrachter als auffälligen Anziehungspunkt.
Einzelne Bilder aus dem Leben von Albert Schweitzer, ergänzt mit Zitaten aus seinen Schriften, sind in der besonderen geometrischen Anordnung des Kreuzes in die Wand eingelassen. Das Werk erhält eine eigene Dynamik durch ein spezifisches künstlerisches Moment: Die rationale Ordnung und geometrische Systematik der Kreuzform wird durch das herausgelöste und verschobene Element (transloziert und disloziert) des auf dem Boden eingelassenen Bildes gestört, aus der bloßen Anordnung von Bildern wird ein Kunstwerk, eine erzählerische Tendenz schleicht sich ein, indem ein Bild aus der Wand fällt und nun am Boden liegt.